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16.05.2000

Nürtinger Zeitung
16.05.2000
 
  Leichtathletik: 12. Hohenneuffen-Berglauf  
 
Favorit Türk sichert sich im Schlussspurt den Sieg
 
Nur zwei blieben unter der 40-Minuten-Grenze - Frölich bei den Frauen ungefährdet - Knapp 270 Starter
 

Wer sich quält, muss auch genießen können: Die Finisher des 12. Hohenneuffen-Berglaufs nutzten am Sonntag nach dem Zieleinlauf im Burghof bei strahlendem Sonnenschein erst einmal den grandiosen Blick hinunter ins Tal.

Ein schönes Bild: Läuferinnen und Läu-fer, die noch ein paar Minuten vorher mit schmerzverzerrtem Gesicht die letztenspäter locker am Burg-Geländer, nippten am Teebecher, wischten sich den Schweiß von der Stirn, schauten sich den Streckenverlauf noch einmal von oben an.
Die schnelle Regeneration - ein kleines Wunder? Eigentlich nicht. Denn, wer beim Hohenneuffen-Berglauf mitmacht, hat sich darauf in der Regel gut vorbereitet, weiß, auf was er oder sie sich einlässt: 9,3 Kilome-ter sind nach dem Start in Linsenhofen zu bewältigen, gespickt mit giftigen Steigun-gen bis hinauf zur Burgruine. Die Fitness der Läufer ist also gut - weder Rennarzt Al-bert Fabritius noch das DRK mussten ein-greifen, was bei Temperaturen von deutlich über 20 Grad durchaus keine Selbstverständlichkeit war.
Während die meisten Teilnehmer noch dem heiß ersehnten Ziel entgegenstrebten, gab's im Burghof schon die ersten Shake-hands. Peter Maier (Adelberg) gratulierte Kontrahent Frank Türk (SpVgg Mössingen). Türk hatte den lange führenden Maier zwei Kilometer vor dem Ziel abgefangen. Bis in den Burghof holte Türk fast noch 18 Sekunden Vorsprung heraus. Maier nahm die relativ knappe Niederlage mit Humor: "Ich war einmal Dritter am Hohenneuffen, diesmal war ich Zweiter, da ist ja beim nächsten Mal noch was drin."
Bergspezialist Frank Türk freute sich über seine gelungene Taktik: "Ich wusste, dass es am Schluss erst richtig steil wird, deshalb habe ich mich anfangs etwas zurückgehalten. " Das Duo agierte an der Spitze ungefährdet, der überraschend starke Mathias Mergl (Wolfschlugen) holte sich vor dem Triathleten Bernhard Huber (TSV Beuren) Platz drei.
Ungefährdet der Erfolg von Sylvia Frölich bei den Frauen. Schon in der Anfangsphase in Balzholz hatte die Läuferin der TG Nürtingen einen Vorsprung von über 100 Metern, den die TG-Langstreckenläuferin bis ins Ziel auf über zwei Minuten ausbaute.
Was am Sonntag beim Hohenneuffen-Berglauf auffiel: Der Lauf wird immer mehr zum lokalen Event. Fast 200 der insgesamt 268 Starter stammen aus dem Altkreis Nür-tingen. Organisator Ulrich Döbler (TSV Beuren): "Das sind fast doppelt so viele regionale Starter als noch Anfang der neunziger Jahre." Was allerdings auch auffiel: An der Spitze fehlt eindeutig der Glanz früherer Jahre. Ein Vergleich spricht Bände: Bei den Deutschen Meisterschaften 1995 am Hohenneuffen bewältigten fast 100 Läufer die Strecke unter 40 Minuten, diesmal waren es ganze zwei. Eine unbefriedigende sportliche Entwicklung.

 
Der Berg ruft - und knapp 270 Läufer und Läuferinnen machen sich unten im Tal, vom Bahnhof Linsenhofen aus, auf, um ihn bei traumhaftem Wetter zu bezwingen. Nur zwei Läufer benötigten für die 9,3 Kilometer hinauf auf den Hohenneuffen weniger als 40 Minuten. Foto: Jak
 
   
  Randnotizen vom 12. Hohenneuffen-Berglauf  
 
"Ich kenne hier fast jeden Feldweg"
 
Türk genießt in der Schweiz Kultstatus - Einrollen beim Stadtlauf
 

Frank Türk heißt der Sieger des 12. Hohenneuffen-Berglaufs. In Deutschland hat der Tailfinger einen eher geringen Be kanntheitsgrad, in der Schweizer Lauf szene dagegen fast Kultstatus. Grund: Türk hat bereits zwei Mal (1997, 1999) den "Swiss-Alpine", einen Berglauf-Klassiker in Davos, gewonnen. Ein mörderi-sches Rennen, rund 70 Kilometer lang mit zigtausend Höhenmetern. Was viele nicht wussten: Türk hat den Grundstein für seinen ersten Erfolg mit Trainingsläufen in der Nürtinger Ecke gelegt. Mitte der neunziger Jahre wohnte Türk für zwei Jahre in Zizishausen. Türk: "Ich kenne um Nürtingen herum fast jeden Feldweg."
Kultstatus in der deutschen Berglaufszene hat Wolfgang Münzel. Neben zig anderen Bergläufen hat er dreimal den Hohenneuffen-Berglauf gewonnen. Diesmal musste Münzel passen. Grund: ein Sturz bei einem Stadtlauf in Hessen am Freitagabend. Trotzdem schaute Münzel in Beuren vorbei, führte dabei sogar lange das Feld an - diesmal allerdings

 

im Führungswagen an der Seite von Beurens Mitorgan- isator Wolfgang Döbler (45).
Den Weg hinauf zum Hohenneuffen kennt einer am besten: Hohenneuffen-Pächter Axel Vetter (43). Im vergangenen Jahr sorgte der Neuffener mit ei nem unerwarteten Start beim Hohenneuffen-Berglauf für eine echte Überraschung. Diesmal legte der "Burgchef" noch eine Schippe drauf: Er verbesserte sich um über zehn Minuten auf 1:03 Stunden. Jetzt hat Vetter der Ehrgeiz gepackt: "Jetzt möchte ich beim Hohenneuffen-Lauf die Stunden-Grenze unter- bieten."
Elf Jahre lagen zwischen dem ersten Sieg und dem zweiten Erfolg von Sylvia Frölich am Hohenneuffen. 1989 siegte Sylvia Frölich (damals noch unter dem Namen Braun) bei der Berglauf-Premiere in Beuren. Was für eine Dauerbrennerin die TG-Läuferin ist, zeigt auch die Tatsache, dass der Männersieger des Jahres 1989, Daniel Bartsch, seine Karriere längst beendet hat.
Etliche Läufer absolvierten am Wochenende ein schweißtreibendes Doppel. Am Freitagabend den Nürtinger Stadtlauf, am Sonntag dann den Hohenneuffen-Berglauf. Nicht nur der Gesamtvierte Bernhard Huber tummelte sich bei beiden Läufen, sondern auch unter anderem der Reuderner Dietmar Stephan, der Neckarhäuser Claus Renzier, der Wendlinger Heinz Bulmer oder die Nürtinger Peter Born und Thomas Mürle. Für diese und viele andere Läufer offenbar die ideale Form zum "Einrollen" für den Sonntag.
Beim Hohenneuffen-Berglauf sind im mer wieder mal Sportler aus anderen Sportarten am Start. Tischtennisspieler (wie Hartmut Frank vom TTC Fricken-hausen 1995), Rennfahrer Wolf Henzler (1998) oder auch immer wieder Fußballer (wie Hergert Briem, Ex-Spieler bei den Amateuren des VfB Stuttgart). Diesmal traten die AH-Fußballer des TSV Beuren zum Berglauf an - sieben an der Zahl. Und alle sieben Kicker meistern den Kurs.