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15.06.2004

Nürtinger Zeitung
15.06.2004
 
  Berglauf-Splitter  
 
Defekte Steckdose kostete Zeit
 

Der Hohenneuffen-Berglauf spült immer wieder originelle Typen nach Beuren. Am Sonntag war so-gar ein amtierender Weltrekordler am Start. Allerdings ein Weltrekordler im Rückwärtslaufen. Thomas Dold hält den Rekord über 1500 Meter in 5.55 Minuten. „Über 1000 Meter laufe ich rückwärts 3.36 Minuten", stellte er bei der Sieger-ehrung fest. Demnächst will er sogar den Meilenrekord angreifen. Den Hohenneuffen-Lauf bewältigte der Steinacher allerdings im Vorwärtsgang - und das als Gesamtfünfter.

Ganz besonders schwer fiel jener „Vor-wärtsgang" am Sonntag Volker Voss und Elisabeth Zimmerer aus Neuffen. Beide hatten in der Nacht von Freitag auf Samstag den legendären 100-Kilometer-Lauf von Biel (Schweiz) zurückgelegt. „Jetzt reicht's aber", meinten beide bei der Zielankunft im Hohenneuffen übereinstimmend.

Dabei soll Laufen nur Lustgewinn bringen. Zumindest war das das Credo des bekannten „Laufpapstes" Dr. Rudolf Ziegler bei seinem Vortrag am Vorabend des Rennens in der Beurener Kelter, der fast 50 Zuhörer anlockte. Zieglers Hauptbotschaft: Bergauflaufen ist am gesündes-ten, weil dabei am meisten Muskelgruppen beansprucht werden. Wenn es nur nicht so anstrengend wäre . . .

Für ihre Anstrengungen belohnt wurden nicht nur die Sieger und Bestplatzierten, sondern auch die größte Mannschaft. Es war einmal mehr der TB Neuffen, der wiederum rund 40 Läufer an den Start brachte, darunter die „Dauerläufer" An-ton Palesch und Volker Eberhardt, die neben dem Esslinger Adolf Gehrung als einzige alle Hohenneuffen-Rennen ab-solviert haben.

Ins Schwitzen kamen auch die Organisatoren des TSV Beuren und TSV Frickenhausen. Eine halbe Stunde vor dem Startschuss hieß es vom Hohenneuffen: Zielcomputer defekt. Binnen weniger Augenblicke musste reagiert werden, Mitorganisator Werner Grande fuhr ein nagelneues Ersatzgerät auf die Burg. Doch als auch dieser Computer nicht funktionierte, stellte sich alsbald heraus, dass eine Steckdose einen Wackelkontakt hatte. Der Start verzögerte sich trotzdem um rund zehn Minuten.

 

„Es gibt nichts, was es nicht gibt", stöhnten die beiden Organisatoren Frank Klass und Michael Gneiting.

Erstaunlich: Trotz der Startverzögerung verhielten sich die Läuferinnen und Läufer äußerst diszipliniert, was bei einer gewissen nervösen Grundstimmung des Einzelnen vor einem solchen Härtetest nicht selbstverständlich ist. Geduldig warteten die Starter in den nach Leistungsstärke eingeführten Startblöcken.

Gute Erfahrungen machten die Organisatoren mit den erstmals eingesetzten Transpondern: Das System kann so ein großes Starterfeld problemlos abwickeln. Allerdings müssen die Läufer am rechten Armgelenk ein Band mit integriertem Chip befestigen. Alle taten das -bis auf einen. Der hatte das Band am Fuß befestigt und musste deshalb im Ziel erst einmal jenen Fuß anheben, um das etwa auf Bauchhöhe installierte Computersystem der Zeiterfassung zu kontaktieren. Eine kabarettreife Szene.

Noch zwei Rennen absolvieren müssen die Führenden des regionalen Tälescups. Hendrik Reininger (Lauftreff Wendlingen) und Beate Hartmann-Elbe (TB Neuffen) bauten ihren Vorsprung in der Gesamtwertung vor dem Kirchert-Lauf in Nürtingen (19. September) und dem Käppele-Lauf (1. November) aus.

Große Freude herrschte bei der Siegerehrung in der Turn- und Festhalle Beuren bei den Kleinen: Lina Scherzer (Kornwestheim), Lena Schäfer (Kusterdingen), Juliane Schmid (Beuren), Hannah Niemejer (Kirchheim), Gökhan Demir (Beuren), Sebastian Pfänder (Beuren), Thomas Krohmer (Linsenhofen) und Maximilian Traier (Zell) gewannen ihre Altersklassen beim Schülerlauf.

Im kommenden Jahr steht in Beuren Großes an. Im Juni 2005 werden zum zweiten Mal nach 1995 die deutschen Berglauf-meisterschaften in Beuren stattfinden. Hans Krieg und Tilmann Bertsch vom Württem-bergischen Leichtathletikverband, die vor Ort waren, zeigten sich zufrieden mit der General-probe. Schon jetzt beginnt die Vorarbeit für dieses sportliche Großereignis.                don