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BEUREN. Eigentlich hatte Dieter Baumann, Olympiasieger über 5000 Meter, nach seinem Karriereende geschworen, nie wieder einen schnellen Schritt zu machen. Ab und an wird der 43-Jährige aber rückfällig, denn: „Wenn das Laktat bis in die Ohren steigt, dann stellt sich bei mir ein Glücksgefühl ein." Aber er hat noch andere Talente bei sich entdeckt. „Es läuft, und Sie?" heißt sein kabarettisti-sches Programm, mit dem er am Freitagabend im Vorfeld des Hohenneuffen-Berglaufs in der Beurener Gemeindehalle zu Gast war und seinem Publikum etwas von der Begeisterung für das Laufen vermitteln wollte.
UWE GOTTWALD
Baumann kam nicht mit leeren Händen, er hatte Trainingspläne mitgebracht. Bevor er diese jedoch verteilen konnte, musste er sein Publikum kennenlernen: „Wer läuft, wer nicht, wie oft lauft ihr, wer ist schon Marathon gelaufen und in welcher Zeit?". Schnell hatte er ein paar Kandidaten zu-sammen, die er fortan immer wieder in sein Programm einbaute. Die Distanz zwischen Lauf-Idol und Auditorium war bald aufgehoben, weil man merkte, dass da ein lustiger Typ auf der Bühne steht, der die Jogging-Bewegung, die Läuferszene und auch sich selbst schon mal auf die Schippe nimmt.
Weil Baumann beim Laufen immer noch sein Glück findet und dabei geradezu Lustgefühle entwickelt, hat er sich entschlossen, der Sache auf den Grund zu gehen. Warum nicht ein Institut gründen? „In meiner Wahlheimat Tübingen kommt es auf eines mehr nicht an", so Baumann mit einem Augenzwinkern. In seinem DILLUG, dem Deutschen Institut für Lauflust und Glück, habe er ein großes Forschungsprojekt zum Thema „Richtig atmen" am Laufen. „Zweier- oder Vierer-Rhythmus, durch den Mund oder die Nase? - Das ist ein komplexes Thema, wir sind noch dran, können noch keine Ergebnisse veröffentlichen." Die Nasen-Atmung gelte als der Glücksbringer schlechthin. Baumann weiß dazu jedenfalls schon so viel: „Das größte Glück bei der Nasenatmung ist, wenn man wieder durch den Mund atmen darf."
Wie in einer der vielen Publikationen, die von ehemaligen Leistungssportlern bis hin zu Lauf-Gurus und Gesundheitsaposteln |
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auf den Markt geworfen werden, hakt er Kapitel für Kapitel „die Megathemen des Laufens" ab. „Eine Studie jagd die andere, wenn es darum geht, was lebensverlängernd sein kann." Verheiratete, heiße es, leben länger, doch wer verheiratet ist laufe Gefahr, dick zu werden, was laut der nächsten Studie die Lebenserwartung wieder verkürze.
Baumanns Ausweg: der Blick ins Tierreich. „Die Schildkröte hat einen niedrigen Ruhepuls und eine hohe Lebenserwartung." Dreimal in der Woche laufen senke den Ruhepuls um 20 Schläge in der Minute, 28 000 am Tag. „Dein Herz wird's dir danken und länger schlagen." Baumann machte den Praxistest mit dem Publikum, ließ den Puls zählen. Hardcore-Uli, wie er den 50-jährigen Marathonläufer mit einer Bestzeit von 2.58 Stunden nennt, vermeldete einen Ruhe-puls von 55, No-Sports-Fan Dieter dagegen zählte 70, bei Walking-Ursula sah es mit 62 Schlägen wieder besser aus. Dann rechnete er vor, wie lang man laufen muss, um eine Tafel Schokolade zu verbrennen: 550 Kalorien macht eine Stunde. Bier wäre nicht so schlimm, 200 Kalorien gleich ein Hefeweizen. „Aber ihr saufet ja glei drei!"
Nett auch die Geschichten aus dem kenianischen Trainingslager mit afrikanischen Weltklasseläufern. Zu einem Ausscheidungslauf für rund 180 Talente der Region war er ehrenhalber eingeladen. Im Startbe-reich vermisste er die Markierungen für die Strecke. Ein Offizieller: „Für dich kein Problem, du musst nur den anderen hinterher-laufen." Und tatsächlich wurde er von einer Gruppe zur anderen nach hinten durchgereicht, kam als 84. ins Ziel, noch hinter dem Militärkoch. „Am anderen Tag erfuhr ich die Losung für das Rennen: keiner kommt hinter dem Weißen ins Ziel."
Geschickt verpackt Baumann Fixpunkte seiner Karriere in Anekdoten und Gags. Er zeigt dabei erstaunliches komödiantisches Potenzial, in Mimik und Gestik, im lockeren Vortrag ohne Manuskript, auch im improvisierten Doppelpass mit dem Publikum. Er überzeichnet, um die Auswüchse des Lauf-Booms und der Gesundheitswelle aufs Korn zu nehmen, doch in den zwei kurzweiligen Stunden ist auch zu spüren: Baumann will die Leute, ohne erhobenen Zeigefinger, zum Laufen bringen, jeden nach seinen Möglichkeiten.
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